Wong's Karate / Geschichte
Club Wettingen / Baden


Soshin Nagamine


Soshin Nagamine mit Quai Wong

1968 Gründungsjahr als Karate-Club Baden

Einer der ersten Karate-Clubs in der Schweiz. Erster Präsident Pierre Angelo Orsatti, Trainer Carlo Corsini. Stil Shotokan.

1971 Trainer und Präsident Erwin Häusermann

1975 Wechsel zum Stil Shorin-Ryu Gründer Soshin Nagamine (Siehe Bild)

1976 Das erste Trainingslager mit Quai Wong

1985 Beitritt zu Wongs-Karate International

1995 Start mit dem Kindertraining ab dem 7.Altersjahr.

1998 Jubiläum 30 Jahre Karate-Club Baden

2001 Erwin Häusermann 30 Jahre im Karate-Club Baden

2003 Trainingslager mit Quai Wong und Gästen aus Kanada

2009 Erwin Häusermann wird zum Ehrenpräsident ernannt

2009 Präsident Beat Bianchi

2011 Der Karate-Club Baden wird zum Wong's Karate Switzerland

2012 Neues, eigenes Dojo in Wettingen

Karate Geschichte und Entwicklung
Kampf  

von Erwin Häusermann, 6. Dan Shorin-Ryu

Von China... Es gibt viele Geschichten und Gerüchte um die Entstehung des Karate. Die genaue Zeit, wann Karate entstanden ist, bleibt unbekannt. Die Legende erzählt, dass vor etwa 2400 Jahren ein indischer Priester namens Bodhidharma (jap. Daruma) nach China aufbrach, um dort den Buddhismus zu verbreiten. Bodhidharmas Weg führte in die chinesische Provinz Hunan. In Hunan unterrichtete Bodhidharma die Mönche des Klosters Shaolin (jap. Shorin-ji). Er unterwies sie in Meditation und indischen Kampfkünsten. Eine dazumals schon uralte waffenlose Kampfkunst Indiens war Vajaramushti («Einer, dessen Faust steinhart ist»). Die Mönche des Shaolin entwickelten daraus die Kampfkunst Ch'uan fa («Weg der Faust»), die sich in China weitherum verbreitete. ... über Okinawa...

 

Im 7. Jahrhundert brachten Chinesen erstmals Ch'uan fa, japanisch Shorin-ji Kempo, auf die RyukyuInseln, damals unter dem Namen Uruma (heute Okinawa) bekannt. In Okinawa hatte sich zu der Zeit ebenfalls eine Selbstverteidigungsart, das Okinawa-te - oder einfach Te (Hand) - entwickelt. Okinawa wurde im Jahre 1609 von dem japanischen Sutsuma-Clan besetzt. Den Einheimischen von Okinawa wurden jegliche Waffen verboten. Sogar das Üben von Te wurde den Ryukyu-Bewohnern untersagt. Sie übten im geheimen weiter. Im Jahr 1761 kam der chinesische Ch'uan-fa-Meister Kusanku nach Okinawa und gab eine Demonstration seines Könnens ab. Ein Okinawa-te-Mann namens Sakugawa (1733-1815) wurde ein Schüler von Kusanku. Sakugawa ging viele Male nach China und lernte Ch'uan fa. Sakugawa kombinierte die chinesische Selbstverteidigung, die in Okinawa auch als To bezeichnet wurde und mit Te und unter dem Namen «Tote-Sakugawa» sehr berühmt. Von Sakugawas Gefolgsleuten war Sokon Matsumara (1796-1915) der bekannteste. Im Jahr 1875 endete die Besetzung Okinawas, und die Ryukyu-Inseln wurden offiziell ein Teil von Japan. Okinawa-Te konnte endlich öffentlich trainiert und gelehrt werden, wurde aber erst richtig bekannt, als Anko Itosu 1904 das Okinawa-Te in den Volksschulen Okinawas einführte. Itosu trainierte einige weltweit bekannte Karate-Meister wie Kentsu Yabu, Chomo Hanashiro, Chotoku Kyan (1870-1945), Choshin Chibana (1887-1969), Choki Motobu (1871-1944), Shinpan Gusukuma, Gichin Funakoshi (1868-1957). Aus Tote entwickelten sich zwei Stilarten. Nämlich Shorei-Ryu, das in der Stadt Naha trainiert wurde, und Shorin-Ryu, das in den Städten Shuri und Tomari trainierte wurde. Shorei-Ryu wird als Stil mit langem, tiefen Stand und einer extremen Atemtechnik bezeichnet. Shorei-Ryu Karate ist im Jahre 1885 von Higaonna (1851-1915), der 20 Jahre in China verbracht hatte, in Goju-Ryu umgewandelt worden. Goju-Ryu wird auch in der Schweiz trainiert, in Zürich und Zug unter anderem. Man beschreibt Shorei-Ryu/GojuRyu gerne als Stil für grosse und schwere Pesonen, was aber sicherlich nicht zutrifft. Shorin-Ryu ist im Gegensatz zu Shorei-Ryu ein Stil mit möglichst kurzem natürlichen Stand, ohne künstliche Atemtechnik. ShorinRyu wird als Stil für kleine und leichte Personen bezeichnet, was aber auch nicht direkt zutrifft. Das japanische Schriftzeichen für Shorin-Ryu heisst übersetzt «Shaolin-Stil» was auf die direkte Verwandschaft des Shorin-Ryu mit dem chinesischen Ch'uan fa hinweist. Shorin-Ryu wird ebenfalls in der Schweiz trainiert; im KarateClub Baden. ... nach Japan ... 1922 ging Gichin Funakoshi, der heute oft fälschlicherweise als «Erfinder» des Karate bezeichnet wird, mit Choki Motobu zum erstenmal nach Japan, wo er Demonstrationen gab. Bis dahin war die Kampfkunst, die sich heute Karate nennt, nur in China und Okinawa bekannt und muss, im Gegensatz zu Judo, Kendo und Aikido, die alle in Japan entstanden, als chinesisch-okinawesische Entwicklung angesehen werden. Funakoshi schrieb zu der Zeit sein erstes Buch mit dem Titel «Ryukyu Kempo: Karate». Dieses Buch war das erste über Karate. Die Druckplatten wurden leider beim grossen Kanto-Erdbeben 1923 in Japan zerstört, was zu einem zweiten Buch führte. Es erschien unter dem Titel «Rentan Goshin Karate-jitsu: Stärkung des Willens und Selbstverteidigung durch Karate».
Übers Funakoshi ging nach Okinawa zurück, war aber bald wieder in Japan (1924). 1928 entschied er sich, endgültig in Japan zu bleiben. Gichin Funakoshi kreierte aus Shorin und Shorei den heute am weitesten verbreiteten Karate-Stil: Shotokan. ... und um die ganze Welt 1931 wurde die Kampfart aus Okinawa offiziell von der Organisation «Nippon Budokai» aufgenommen, der sämtliche japanischen Kampfarten angehörten. Aber man stritt sich noch in der Frage nach einem einheitlichen Namen, der der bis dahin existierenden verwirrenden Vielfalt von Bezeichnungen ein Ende setzen sollte: Die auf den chinesischen Ursprung hinweisende Bezeichnung Tote (China-Hand) oder Karate (leere Hand)?

Quai Wong
 
Am 25. Oktober 1936, bei einem Meeting, wo alle grossen Meister anwesend waren - unter anderen Choki Motobu, Chojun Miyagi, Chomo Hanashiro und Chotoku Kyan - einigte man sich offiziell auf die japanische Bezeichnung Karate als Namen für diese waffenlose Kunst der Selbstverteidigung. Seither also der Name Karate.

Karate war wie alle Kampfarten in Japan nach dem zweiten Weltkrieg durch die Amerikaner einige Jahre verboten. Wie seinerzeit in Okinawa überlebte es auch diesmal. Funakoshi gründete 1949 die «Japan Karate Association». Ab 1949 wurden den alten Okinawa-Stilen Shorin-Ryu und Goju-Ryu sowie dem ca. 1930 von Funakoshi entwickelten japanischen Stil Shotokan viele neue Stilarten (Shudokan, WadoRyu, Shito-Ryu, Kyokushinkai etc.) hinzugefügt.

 


Erwin Häusermann mit Quai Wong
Die Frage, welcher Stil nun der beste sei, erübrigt sich, da im Prinzip alle dasselbe wollen und ein Karate-Stil mit Sicherheit nur so gut ist wie der Mann, der ihn lehrt. Karate - Selbstverteidigung oder Turniersport? Von dem Zeitpunkt an, als Okinawa-te an den Volksschulen Okinawas gelehrt wurde, änderte sich das System von der reinen Selbstverteidigung etwas in die Richtung zur sportlichen Kampfart hin. Das erste Karate-Turnier fand aber erst am 1. Dezember des Jahres 1936 in Tokio statt. Karate, das ursprünglich als reine Selbstverteidigung gelehrt wurde und aus den drei Elementen Kata (vorgeschriebener Bewegungsablauf), Kihon (Grundtechniken aus dem Stand und aus der Bewegung: Faustschlag, Fusstritt, Handkante, Ellenbogen, Knie usw.) und Kumite (arbeiten mit Partner: Selbstverteidigung, kontrollierter freier Kampf ohne Regeln) bestand, wird langsam leider vielerorts zu einem reinen Turniersport degradiert. Da Karate als Turniersport meiner Ansicht nach denkbar ungeeignet ist, da beim Wettkampf - im Gegensatz zum Boxen, Judo oder Ringen - der Kontakt mit dem Gegner mehr oder weniger verboten ist, hängt das Urteil immer von vielen «Wenn ich ... hätte» und von teils unverständlichen Regeln ab: Mit der Faust darf nicht Richtung Kopf geschlagen werden, mit dem Fuss aber, der bestimmt schwieriger zu kontrollieren ist, sehr wohl! Weil in der heutigen Zeit sowieso nur Medaillen zählen, wird mancherorts auch das Training einzig und allein auf Turniere ausgerichtet. Der Freikampf, der dem Karateka die Möglichkeit zum effektiven Üben seiner erlernten Selbstverteidigungs- und Kampftechniken geben soll, wird aber, da nach vorbestimmten Regeln gekämpft werden muss, zerstört. Und viele wirklich gute Techniken aus der Selbstverteidigung sind zudem im Turnierkampf verboten.

Es ist völlig illusorisch zu glauben, man könne das eine tun und müsse das andere nicht lassen. Selbstverteidigung und Turniersport sind zwei entgegengesetzte Dinge. Um eine wirklich gute und 100%ige anwendbare Selbstverteidigung zu erlernen, braucht es Jahre - und das ist meiner Meinung nach auch das Ziel, das es zu erreichen gilt. Dass man dabei in einer körperlichen und geistigen Topverfassung bleibt, ist vielleicht das beste Nebenprodukt des Karate-Trainings. Trainingsgrundsätze

1. Lerne Karate mit seinen Grundsätzen und seiner Geschichte.

2. Lerne alle Kata strikte und korrekt. Lass dich nie durch die vielen Wiederholungen entmutigen; ein Kata ist niemals perfekt und der Körper muss immer wieder durch und durch trainiert werden.

 

 

3. Lerne und praktiziere Kumite (Selbstverteidigung und freier Kampf) nicht um des Turniers wegen, sondern als Training für realen Kampf.

4. Karate ist kein Spiel. Trainiere auch deinen Geist und versuche von deinen Alltagsproblemen mindestens während des Trainings wegzukommen.

Zusammenfassend lasst uns daran erinnern, dass es in einigen Fällen gestattet ist, alte Kunst zu überdenken und sie zum Teil moderner und populärer zu machen. Aber es ist nicht sehr weise - und auch gefährlich - alte Sachen abzulehnen, nur weil sie alt sind. Karate wurde vor langer Zeit kreiert und von Generation zu Generation weitergegeben. Karate hat stets alle Schwierigkeiten überwunden und ist heute noch so intakt wie vor tausend Jahren. Karate hat wie alle klassischen Dinge das Potential, Neues aus sich selbst zu produzieren, ohne das Fundament zu zerstören, auf dem es aufgebaut wurde. Der Trainingsform und den Ideen alter Meister sollte nachgeeifert werden. Karate wurde nicht als Sport oder Kampf um Punkte und Pokale erfunden, sondern als Kriegskunst, als Selbstverteidigung und Lebensschule. Und so sollte Karate auch weitergegeben werden.

  

  

Karate Stilrichtung Shorin-ryu aus Okinawa
DojoOkinava
1976 Trainingshalle von Shoshin Nagamine

Wong's Karate Switzerland trainiert heute 15 original Shorin-Ryu-Katas.

Weitere Angaben über Shorin-Ryu finden Sie im Buch:

Okinawan Karate-Do ISBN 0-8048-1163-6